UKMERGE

Der Verwaltungsmittelpunkt des Bezirks Ukmerge im Zentrum Litauens liegt beiderseits des Flusses Sventoji (die Heilige). In der Fabrik "Silas" (der Hain) werden noch Leiterwagen und andere Pferdefuhrwerke, sowie Schlitten hergestellt.
Geschichtsquellen erwähnen schon im Jahre 1225 eine Burg namens Vilkmerge (Wolfsbraut), die wahrscheinlich dem Fürsten Dausprungas gehörte. Somit ist Ukmerge, wie das Städtchen nach dem Ersten Weltkrieg genannt wurde, eine der ältesten bekannten Ortschaften in  Litauen. Oft wurde Vilkmerge von den beiden Orden, dem Deutschen und dem  Livländischen, überfallen und belagert. 1391 hat der litauische Großfürst Vytautas, der  gerade wieder einmal mit seinem Cousin Jogaila um Ländereien und Macht stritt, sich die Ordensritter zu Hilfe geholt, und mit ihnen litauische Lande verwüstet, wobei er auch Vilkmerge niederwarf und einäscherte. 
Die Legende über die Wolfsbraut erzählt von einer Zauberin, die einst in den Wäldern gehaust habe. Sie haben die Leute Vilkmerge genannt. Einst seien dem Sohn des Fürsten Daugsprungas, Tautvilas, beim Jagen die Pfeile ausgegangen, und just da hätten ihn die Wölfe
überfallen. Die Zauberin habe ihn, in Gestalt eines schönen Mädchens, vor dem Tode bewahrt, indem sie die Wölfe verjagt habe. Zu Ehren dieser Zauberin habe nun der dankbare Vater an dieser Stelle eine Burg gebaut.
Schon vor der offiziellen Einführung des Christentums gab es hier eine Kirche (1385). Im 15. Jahrhundert wurde auf dem Pilies-Berg (Burgberg) eine Burg aus Stein gebaut, die allerdings
während der Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts gänzlich niedergerissen wurde. Die Stadt an wichtigen Wegekreuzungen hat sich rasch entwickelt. Daraus, daß es 1683 beispielsweise 82 bebaute Grundstücke und ganze 52 Kneipen sowie Gastwirtschaften gab, kann man auf das wichtigste Gewerbe der Bürger schließen. Wie alle Kleinstädte Litauens, deren Häuser aus Holz waren, litt auch Vilkmerge unter ständigen Bränden - und Kriegen. Aber immer-
hin: 1833 gab es schon 443 Holz-und 13 Ziegelhäuser, 97 Geschäfte sowie 84 
Gastwirtschaften. Die Eisenbahn kam hier 1871, etwas Industrie siedelte sich an - 1911 gab es 28 Werkstätten, in denen insgesamt 84 Arbeiter tätig waren. Unter ihnen gab es auch einige revolutionär gesinnte Arbeiter, aber die Nationalisten gewannen dann in den
entscheidenden Kämpfen um ein unabhängiges Litauen die Macht. 1930 wurde ein Unabhängigkeitsdenkmal errichtet, während des 2. Weltkriegs hat es die Rote Armee abgerissen, und 1990 ist das 17 Meter hohe Monument nach alten Vorlagen wiedererstanden.
Erwähnenswert ist die klassizistische Kirche der Heiligen Apostel Peter und
Paul, die 1896 geweiht und 1931 - 1939 gründlich umgebaut wurde. Auch die klassizistische alte Pferdepost von 1835 ist noch erhalten, der romanisierende Glockenturm von 1838, sowie die russisch-orthodoxe Kirche von 1869.

Aus "Durch Litauen und ehemaliges Ostpreussen". Vilnius, „Mokslas", 1990

 


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Erneut: 2004.05.12
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