VILNIUS

Stadtwappen VilniusDie Hauptstadt Litauens, Vilnius, ist  die größte Stadt des Landes (590 000 Einwohner). Wer als Gast aus den Großstädten Europas anreist, dem mag das grüne Vilnius als kleine Provinzstadt erscheinen, ihn gleichzeitig aber sehr anziehen durch seine gemütlichen Innenhöfe und die kurzen Wege: vom Rathaus und von der Kathedrale in der Altstadt bis zu den historischen Plätzen Lukiskiu, Savivaldybes und Nepriklausomybes, die an der Hauptstraße, dem Gediminas-Prospekt, gelegen sind. Die 254 ha große Altstadt von Vilnius steht auf der UNESCO - Eiste der zu erhaltenden Kulturschätze der Welt. Obwohl die architektonischen Grundrisse der Stadt auf gotische Zeit zurückgehen, ist das heutige Stadtbild bestimmt durch zahlreiche Barockkirchen und reich geschmückte Häuser, die Vilnius den Ruf einer Barockstadt verleihen. An der Bebauung der Hauptstraßen Pilies gatve, Didzioji und Ausros Vartu gatve in der Altstadt sind verschiedene Architekturstile zu erkennen, die enge Verbundenheit Eitauens zur abendländischen Kultur repräsentieren.

Für die Stadtentwicklung war das 16. Jahrhundert besonders entscheidend. In dieser Zeit blühten hier das Gewerbe, der Handel sowie der Buchdruck, 1579 wurde die älteste Universität der Nordosteuropas gegründet. 

Das Territorium der Burgen von Vilnius (28 ha) gilt als Grundlage für die Entstehung der Stadt, als Wiege und geistiges Zentrum des Staates. Einst stand hier eine Verteidigungsanlage, die drei Burgen umfaßte: zwei Burgen wurden auf benachbarten Hügeln errichtet, in der dritten, der Unteren Burg, befand sich die Residenz der Großfürsten. Im Mittelalter beherbergten die Burgen die militärischen Hauptquartiere, konnten aber im Ernstfall auch als auch Schlachtfelder dienen. Für die Verteidigung gegen die Kreuzritter war das hügelige Gelände am Zusammenfluß von Neris und Vilnia besonders geeignet: keine der drei Burgen konnte vom Feind eingenommen werden. Auf dem Berg der früheren Oberen Burg ist der Gediminas-Turm erhalten geblieben, der heute als Wahrzeichen der Stadt und nicht selten auch des ganzen Landes dient. Auf dem Hügel der früheren Krummen Burg ist in jüngster Zeit ein Drei-Kreuze-Monument wiederaufgebaut worden. In dem aus dem 16. Jh. stammenden weitläufigen Arsenalgebäude ist das Museum der angewandten Kunst untergebracht, in dem unter anderem auch Erzeugnisse der historischen Kanonengießerei ausgestellt werden. In der Unteren Burg wurde bereits 1636 in der Regierungszeit von Wladislaw Vasa ein Schloßtheater gegründet. In Anlehnung an diese Tradition werden hier auch heute verschiedene Theaterstücke aufgeführt.

Es bestehen emstzunehmende Pläne, das Renaissanceschloß der Großfürsten auf dem Territorium der Unteren Burg, das einst eine gemeinsame Anlage mit der Kathedrale (13. -18. Jh.) bildete, wieder zu errichten. In dieser wichtigsten katholischen Kathedrale ruhen die Überreste des litauischen Patrons, des heiligen Kasimir. 

Die erste Erwähnung von Vilnius als Hauptstadt findet sich in den Briefen des Großfürsten Gediminas an ausländische Handwerker und Kaufleute im Jahre 1323. Die Pforten der Stadt standen immer weit offen für Vertreter unterschiedlicher Nationalitäten. Davon zeugen die historischen Bezeichnungen mancher Straßen: Deutsche Straße, Russische Straße, Tataren- und Judenstraße. Bis zur Mitte des 20. Jh. trug Vilnius wegen seiner großen Bedeutung für das Ostjudentum den Namen „Jerusalem des Nordens". Aus dem friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Gebräuche, Religionen und Sprachen bildete sich hier eine interessante Synthese der Stadtkultur heraus. Beim Weiterausbau der Stadt in südlicher Richtung entwickelte sich der Rathausplatz zum zentralen Anlaufpunkt für die Bewohner der Stadt und auswärtige K-aufleute. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde um die Stadt eine hohe Schutzmauer errichtet. Das Tor der Morgenröte (Ausros vartai) ist als einziges von zehn ursprünglichen Stadttoren am Ende der Hauptstraße der Altstadt erhalten. 

„Durch Litauen und ehemaliges Ostpreussen". Vilnius, „Mokslas", 1990


  © Das litauische Museum für bildende Kunst, 2001
  © Die Redaktion des samogitischen Kulturvereins, 2001
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Erneut: 2003.06.10
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