ALYTUS

Stadtwapen AlytusVerwaltungszentrum des gleichnamigen Bezirks und Mittelpunkt des südlichen Teils von Litauen, der Dzükija. Die sechstgrößte Stadt der Republik zählt über 70 000 Einwohner und ist ein Industrie- und Handelszentrum mit über 20 Fabriken, mehr als 10 Oberschulen, einigen Berufsschulen und einem Politechnikum. Das Industriegebiet wurde in den Nachkriegsjahren entlang der Straße nach Prienai angelegt, sodaß die Wohnviertel wenig belastet werden.
Am 15.6.1581 wurde dem Ort das Stadtrecht durch den König von Polen und Großfürsten von Litauen verliehen. Archäologen haben innerhalb der Stadtgrenzen eine neusteinzeitliche Siedlung ausgegraben, sodaß man nicht nur das 400jährige, sondern ein tausendjähriges Jubiläum hätte feiern können, wenn die Vorfahren ein schriftliches Dokument über die erste Gründung hinterlassen hätten.
Am rechten Ufer des Nemunas ragt seit altersher eine Schüttburg, auf der eine erstmals 1377 erwähnte Holzfeste stand. Hier führte ein wichtiger Weg gen Vilnius, den die Ritter des Deutschen Ordens und ihre "Gäste" oft bei ihren "Litauerreisen" nahmen, sodaß die Burg ständigen Überfällen ausgesetztwar. Als das linke Uferland des Nemunas durch den Vertrag von Meina 1422 an den Deutschen Orden fiel, siedelten die meisten Litauer auf die rechte Seite des Flusses über, und die Burg verfiel. Der Flecken Alytus begann dagegen rascher
zu wachsen, insbesondere als er die Stadtrechte erhielt. 1775 wurden aus der alten fürstlichen Pfalz Trakai auch die Gerichte hierher verlegt. Die beiden Hälften der Stadt wuchsen wieder zusammen, obwohl die rechte Seite stets in Handwerk und Handel führend blieb.
Nach der Dritten Polnischen Teilung 1795 wurde die Stadt wieder in zwei gleichsam selbständige Hälften geteilt, denn die Grenze zwischen Rußland und Preußen verlief anfangs in der Mitte des Stroms, und später (seit 1867) die Grenze zwischen den russischen Gouvernements Vilnius und Suvalkai. Seitdem wuchs die rechtseitige Stadthälfte schneller. So blieb es bis zum heutigen Tag.
Als im Jahre 1918 Abteilungen der bolschewistischen Roten Armee ihren litauischen Genosen zu Hilfe eilten, wurden sie von den Freischärlern der Nationalen Unabhängigkeitsarmee aufgehalten. Auf der Brücke fiel Antanas Juozapavicius vom 1. Bataillon - das erste Opfer
des Unabhängigkeitskampfes. Er wurde zum Helden, die Brücke wurde nach ihm
benannt, Denkmäler gebaut. Seit 1988 heißt die neue Brücke über den Nemunas wieder nach ihm.
Über die Geschichte der Stadt unterrichtet das Landeskundemuseum. Die neuen Stadtviertel von Dainava, Putinai, Vizgiris sind ebenfalls sehenswert, insbesondere ihr Zentrum und die Sportanlagen (Architekt L. Kulvietis). Im neuen Stadtpark sind die teilweise begehbaren, bunt beweglichen Metallskulpturen von K. Valaitis, N. Nasvytis, K. Musteikis eine Attraktion.

„Durch Litauen und ehemaliges Ostpreussen". Vilnius, „Mokslas", 1990


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Erneut: 2004.04.26
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